Dr. habil. Jürgen Kunze – Ein Nachruf

Dr. habil. Jürgen Kunze
Dr. habil. Jürgen Kunze
07.02.1943 – 24.08.2021

Die Mitglieder der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft e.V. (DAFRIG) trauern um ihren langjährigen Vorsitzenden, der nach kurzer Krankheit einem Krebsleiden erlag.

Wir verlieren mit ihm einen erfahrenen Afrika-Spezialisten, der es vermochte, Wissenschaft und Praxis hervorragend zu verbinden.

Wesentliche Grundlage seines Wirkens waren Studium, Lehrtätigkeit und Publizistik auf den Gebieten der Soziologie und Politikwissenschaft in Subsahara- Afrika. Die Arbeit im Lehr- und Forschungsbereich Afrika der Sektion Afrika- und Nahostwissenschaften der Karl-Marx-Universität zu Leipzig war von einem Klima interdisziplinärer Zusammenarbeit und ausgeprägter Kollegialität geprägt. Zugleich wurde den praktischen Erfahrungen in Afrika ein hoher Stellenwert beigemessen.

Bereits in der Studienzeit konnte Jürgen – wie andere seiner Kommilitonen auch – als Swahili-Dolmetscher in einer Jugendbrigade der DDR auf Sansibar Erfahrungen vor Ort sammeln und die in Leipzig erworbenen Sprach- und anderen wissenschaftlichen Kenntnisse vergleichen und vertiefen. Diese Art des Herangehens prägte seinen Arbeitsstil. Einer seiner Forschungsschwerpunkte war die Formierung der Bourgeoisie in Subsahara-Afrika. Zugleich engagierte er sich für die internationalen Beziehungen der Universität.

Nach 1990 war er maßgeblich an der 1991 erfolgten Gründung unserer Gesellschaft mit ihren Sektionen in Berlin und Leipzig beteiligt.

Er gehörte gleichfalls zu den ostdeutschen Engagierten aus Solidaritätsarbeit, Kirche, Wissenschaft und Entwicklungspolitik, die am Entwicklungspolitischen Runden Tisch nach der deutschen Vereinigung über die Zukunft der internationalen Solidarität und Entwicklungszusammenarbeit berieten. So wurde Jürgen Kunze auch Gründungsmitglied der gemeinnützigen Stiftung „Nord-Süd-Brücken“, die im März 1994 ihre Arbeit begann und deren Grundkapital – 17 Millionen Euro – aus dem Bestand des Solidaritätskomitees der DDR kamen.

Jürgen hatte viele Mitstreiter an seiner Seite, die seine Auffassung von internationaler Solidaritätsarbeit teilen. Offene, auch konträre Diskussionen, um zu einem machbaren Ergebnis zu kommen, vertrauensvolle Zusammenarbeit und Verlässlichkeit waren Markenzeichen seiner Arbeitsweise.

Manche Projekte bedürfen eines langen Atems. Auch den hatte Jürgen. Das betraf insbesondere die Wiederherstellung des Lumumba-Denkmals in Leipzig, das nach 1990 von Unbekannten zerstört worden war.

Zum 50. Todestag von Patrice Lumumba wurde es im Januar 2011 an seinem alten Platz an der Lumumbastraße wieder eingeweiht. Jürgen Kunze hielt die Rede. Das Denkmal ist auch sein Vermächtnis.