Ehrung von Patrice Lumumba – 65 Jahre nach seiner Ermordung

Am 17. Januar 2026, hat der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Afrikanischen Gellschaft, Herr Joachim Oelßner, in Leipzig am Denkmal für den ehemaligen Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Patrice Lumumba, aus Anlass des 65. Jahrestages seiner Ermordung folgenden Rede gehalten:

Liebe Anwesende, liebe Freundinnen und Freunde,

wir treffen uns heute, um einen afrikanischen Politiker und Kämpfer für ein selbstbestimmtes Kongo und Afrika zu würdigen. Noch heute verschlägt uns ob der Skrupellosigkeit und Heimtücke westlicher Geheimdienste die Sprache. Wie müssen sie Lumumba gefürchtet und gehasst haben, um ihn nicht nur zu ermorden, sondern seinen Leichnam in Säure aufzulösen. Nichts sollte von ihm bleiben. Sie haben sich geirrt. Eine Solidaritätswelle erfasste damals die Welt. In der DDR erhielten drei Straßen in drei Städten seinen Namen. In Berlin und Leipzig erhielt das Bildnis Lumumbas einen würdigen Platz. 65 Jahre nach seiner Ermordung gedenken wir hier des Kämpfers für ein selbstbestimmtes Afrika.

In den vergangenen 65 Jahren wurde der Kolonialismus überwunden; dennoch muss Afrika noch immer um seine Selbstbestimmung kämpfen. Dort, wo Rohstoffe locken, gab es häufig Bürgerkriege, bei denen die Hintermänner keine Afrikaner waren. Der 30-jährige Bürgerkrieg im Osten Kongos ist eine traurige Bestätigung. Der kürzlich von den USA vermittelte Scheinfrieden zwischen der DR Kongo und Rwanda diente wohl eher dem amerikanischen Zugriff auf die dortigen Bodenschätze. Afrika muss sich weiterhin vehement gegen neokoloniale Fremdbestimmung und pseudo-religiösen Terror islamistischer Gruppen wehren. Frieden, Einheit, Menschenrechte und -würde und Zusammenarbeit waren bereits 1960 Lumumbas Visionen.

Angesichts der aktuellen Weltlage wird es für Afrika nicht einfacher. Drei Großmächte suchen, die Welt zu beherrschen. In diesem Spannungsfeld wird Afrika seinen Weg finden. Die Ermordung Lumumbas liegt 65 Jahre zurück, es ist zugleich ein Zeitraum, in dem jedes Land Politikerfahrung akkumulierte und diese nutzt, um in dieser Welt zu bestehen.

Die 1961 von Bildhauer Rudolf Oelzner geschaffene Lumumba-Büste wurde 1997 geschändet und entwendet, doch 2011, zum 50. Jahrestag seiner Ermordung, konnte eine neue Büste enthüllt werden, jetzt von der Bildhauerin Jenny Mucchi-Wiegmann gestaltet. Hinter dieser Neuerrichtung des Denkmals standen das Engagement des damaligen Vorsitzenden der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft, Jürgen Kunze, der Einsatz von Hans-Joachim Wienhold, der Universität Leipzig und vieler anderer. Wir ehren Lumumba ebenso wie das ihm gewidmete Denkmal hier in Leipzig als Zeichen für kulturelle Vielfalt, Toleranz, Menschenfreundlichkeit, Antirassismus, Antikolonialismus und Antiimperialismus. Ich sage das auch im Wissen, wie fragil unsere Gesellschaft ist. Koloniales und rassistisches Denken und Verhalten wurde zurückgedrängt, aber es existiert weiter. Es besteht die Gefahr, dass die dunklen Mächte der Vergangenheit mittels nationalistischer Deutschtümelei versuchen, sich erneut im Alltag zu etablieren.

Die Ehrung für Patrice Lumumba gilt natürlich seiner Person. Zugleich ist es eine Mahnung, kulturelle Vielfalt, Menschenrechte, Menschlichkeit und Demokratie zu verteidigen, hier in Deutschland und anderswo.                        

Joachim Oelßner