Zusammenfassung eines Vortrages in der Volkshochschule Leipzig am 14. April 2026
von Joachim Oelßner*
Am 4. Dezember 2025 unterschrieben in Washington die Präsidenten Trump (USA), Tshisekedi (DR Kongo) und Kagame (Rwanda) verschiedene Abkommen. Ersten Pressemeldungen war zu entnehmen, dass es um Frieden in der DR Kongo gehe. Nach 30 Jahren Krieg in Kivu (Ostkongo) war es für das leidgeprüfte Land ein Zeichen der Hoffnung. Das mörderische Unwesen vieler Milizen unterschiedlichster Gesinnung, darunter die von Rwanda ausgehaltene M23, soll mit diesem Vertragswerk beendet werden. Ein Blitzfrieden? Oder Trumps neuer Versuch, den Friedensnobelpreis zu ergattern? Wer die Zeremonie verfolgte sah zwar einen freudigen US-Präsidenten, aber versteinerte Gesichter bei den beiden anderen Akteuren. Kein Handschlag, nur versteinerte Minen, nicht die sonst übliche zur Schau gestellte offizielle Freude. Dabei wurde vor vielen Monaten begonnen, dieses Vertragswerk vorzubereiten. Im Juli 2025 unterzeichneten dank – besser Druck – amerikanischer und katarischer Vermittler die Außenministerin der DR Kongo und der rwandischen Außenminister einen Vertrag für Frieden im Osten Kongos. Das Ergebnis? Intensivierung der Kampfhandlungen. Zugleich meinte der rwandische Präsident, dass der Krieg im Kongo Rwanda nichts anginge…. Eine verworrene Gemengelage in die der Referent versuchte, ein wenig Licht zu bringen.
Im einzelnen wurden folgende Aspekte behandelt:
Folgende Abkommen wurden am 4. Dezember 2025 In Washington unterzeichnet
Washingtoner Abkommen für Frieden und Wohlstand
- Waffenstillstand (im Kivu-Krieg), Beendigung der Feindseligkeiten, Respekt der territorialen Integrität, Ausgestaltung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
- Entwaffnung aller nichtstaatlichen Akteure
- Regelung des Flüchtlingsproblems
- Juristische Aufarbeitung begangener Kriegsverbrechen
Unterzeichner: Präsidenten DR Kongo und Republik Rwanda
Regionales Rahmenwerk für wirtschaftliche Integration, Kongo und Rwanda
- Das Abkommen wurde von den USA in den vergangenen Monaten mit der DR Kongo und Rwanda ausgehandelt, es beinhaltet Maßnahmen zur wirtschaftlichen Integration.
- Zusammenarbeit in den Bereichen E-Energie, Infrastruktur, Kampf gegen Waffen- und Mineralschmuggler
Unterzeichner: Präsidenten DR Kongo und Republik Rwanda
Strategisches Partnerschaftsabkommen, USA und Kongo
- Wirtschaftswachstum und regionale Integration
- Privilegierter Zugang der USA zu kritischen Mineralien
- Kongo wird für die USA zu einem strategischen Partner
Unterzeichner: Präsidenten DR Kongo und USA
USA-Interessen, allgemein
Der Rohstoffreichtum Kongos war stets interessant. (Das Uran der Hiroshima-Atombombe stammte aus dem Kongo);
1996: Laurent-Désiré Kabila versprach als Warlord auf dem Vormarsch von Kivu nach Kinshasa US-Unternehmen umfangreiche Bergbaukonzessionen. Als Präsident unterschrieb er ein Bergbaugesetz mit vielen Auflagen für Ausländer. Es erfolgte der Rückzug von US-Unternehmen aus dem Kongo.
Nach ca. 30 Jahre haben sich für die USA Prioritäten und Zwänge verschoben, darunter:
- Sicherung der als strategisch wichtig eingestuften Lieferketten von Mineralien und
- Verhinderung, dass China seine Präsenz weiter ausbaut, derzeit – Laut Presse – weltweit: 60% der Bergbauproduktion, 85% der Veredelungskapazitäten.
Ausgangslage
- Kongo – Rwanda
- 30 Jahre Krieg in Kivu (Ostkongo). Ursachen:
- Nach dem Genocid in Rwanda von 1994 an den Tutsi durch Hutu-Bewaffnete (Interhamwe, Armee) flohen viele Mörder nach Kivu (Kongo). Hier verbündeten sie sich mit kongolesischen Hutu, um Rwanda zu destabilisieren.
- Rwanda und Uganda besetzten in einem der Kongo-Kriege große Teile des Landes. Rwanda griff Kinshasa an.
- Rwanda ist bestrebt, seine politische Stabilität zu sichern. Es bekämpft feindliche Hutu-Kräfte im Kongo mittels der Miliz M23. 2024/25 verzeichnete diese Miliz in Kivu Geländegewinne und eroberte wichtige Städte (Goma und Bukavu) und eine Coltan-Mine.
- In Rwanda lebt das Wissen weiter, dass das vorkoloniale Königreich Rwanda Teile von Süduganda und Kivu beherrschte.
- Nach 30 Jahren Krieg, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität, herrscht tiefes gegenseitiges Misstrauen.
- Kivu – Ostkongo
- Natürlicher Reichtum an Mineralien und landwirtschaftlichen Möglichkeiten, touristisch attraktiv (Naturschutzgebiete, Vulkane)
- Die jahrzehntelange Unsicherheit führte zur Herausbildung von etwa 30 bewaffneter Banden/Gruppen mit unterschiedlichsten (politischen, kriminellen und religiösen) Ausrichtungen.
- Kivu grenzt an Burundi, Rwanda und Uganda mit unterschiedlichen politischen Intentionen.
USA-Interesse und die Umsetzung des Abkommens
- Frieden im Kongo: Grundbedingung für den Zugang zu seltenen Mineralien.
- Die USA haben lebhaftes Interesse an der Realisierung der Abkommen. Es wurden bereits Vorbereitungen getroffen
- 2025: Kobalt Metals erhielt Abbaurechte für Lithium in Manono (Südosten Kongos), u.a. mit Jeff Bezos und Bill Gates. Okt.: Gründung des Konsortiums Orion CMC (öffentl./private Geldgeber) / 2026: Ivanhoe Mines aus Kanada teilte mit, dass es bereit sei, das „Projekt Vault“ (US strategische Reserven) mit Zink aus ihrer Kipushi-Mine im Kongo zu versorgen. / Schweizer Konzern Glencore informierte, dass er das Konsortium Orion CMC mit 40% an seinen Minen im Kongo beteiligen werde. / Tshisekedi nimmt am internationalen Gipfel zu kritischen Mineralien teil. Trump stellt ihn als besonders wichtigen Verbündeten vor.(Quellen: Le Monde diplomatique, Jeune Afrique).
Probleme bei der Umsetzung der Abkommen
- Gegnerschaft/Feindschaft zwischen den Präsidenten Tshisekedi (Kongo) und Kagame (Rwanda)
- Sicherung des Friedens gegen Milizen unterschiedlichster Couleur in unwegsamen Gebieten. Die kongolesische Armee: schlecht bewaffnet und ausgebildet, wenig motiviert, massive logistische Probleme
- Miserable Infrastruktur (keine Eisenbahn, fast keine Allwetterstraßen, weite Urwaldgebiete zwischen Kinshasa und Kivu)
- Abbau von Rohstoffen – moderne Technik oder minimale Technik und viele Arbeitskräfte, beide Möglichkeiten sind mit hohen Risiken verbunden.
- Politische Situation Kongos: Die zweimalige Wahl Tshisekedis zum Präsidenten war von massiven Betrugsvorwürfen begleitet. Mit dem Präsidenten ist seine ethnische Gruppe, die Luba aus Kasai, in der Politik tonangebend. 2028 endet seine Amtszeit, er kann nicht erneut kandidieren. Wer und welche Politik wird folgen?
- In dem Land von der Größe Westeuropas gibt es unterschiedliche Machtgruppen. Sie alle wollen von der Umsetzung dieser Abkommen profitieren. Jede Gruppe hat im Ausland Partner. Verdeckte oder offene Auseinander-setzungen sind möglich. Ein Politiker (Joseph Kabila), der Mitte 2025 in Kivu (offiziell) den Ausgleich suchte, wurde zum Tode verurteilt.
- Die Verträge schränken die außenpolitischen Aktionsmöglichkeiten Kongos ein. (Reaktionen Chinas oder Westeuropas?)
- Das alles geschieht in einem Land mit instabilen politischen Verhältnissen und einem unentwickeltes Justizwesen. Besonders gravierend:
- Unterernährung und Armut / täglicher Kampf uns Überleben / für Ausländer unbekannte soziale (Familien-) Netzwerke;
- Furcht vor Raub, Vergewaltigung und Mord, Unterbezahlung der Staatsangestellten;
- Bedeutung ethnischer Zugehörigkeit, verbunden mit einem hohen Mobilisierungsgrad;
- OCHA-Angaben für Ostkongo 2025: 626 Vorfälle gegen humanitäre Helfer,darunter 13 Morde, 40 Verletzung und 40 Entführungen.
Fazit
Es besteht Hoffnung, dass die Abkommen zu einem,
- Friedensprozess zwischen Kongo und Rwanda,
- zum wirtschaftlichen Aufschwung oder wenigstens zu einer punktuellen wirtschaftlichen Entwicklung Kongos
- und zu einem Abbau der sozialen Misere beitragen könnten –
eine Garantie ist es nicht.
Nachtrag:
Am Tag der Abfassung des vorstehenden Textes (am 28.04.2026) gibt es in Kinshasa heftige Proteste gegen die Entscheidung der DRC-Regierung, von der Trump-Administration abgeschobene Personen aufzunehmen. Die Regierung Kongos gab im Zusammenhang mit den Washingtoner Verträgen auf eine solche Zusage.
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* Der Autor studierte in Leipzig Afrikanistik. Er lebte 12 Jahre im zentralafrikanischen Raum: Zaire/DR Kongo (Kinshasa / Goma), Rwanda und Republik Kongo.
Mit der Kongolesin Faida Tshimwanga veröffentlichte er das Buch „Großfamilien-Bande, Kurzgeschichten aus der DR Kongo“. In 19 Erzählungen wird der Familienalltag geschildert.
Webseite: www.oelssner-buch.de