Auf der Hauptversammlung der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft (DAFRIG) am 14. März 2026 hat der Vorsitzende des Vorstands, Joachim Oelßner, einen Tätigkeitsbericht für das Geschäftsjahr 2025 abgegeben, der nachflogend dokumentiert wird:
Liebe Mitglieder der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft,
bevor ich zu unseren Vereinsangelegenheiten komme, ein Wort zu Afrika in unserer heutigen Welt:

Im vergangenen Jahr konstatierten wir auf unserer Hauptversammlung, dass man nicht voraussehen könne, was Trump für Afrika bedeutet. Ein Jahr später wissen wir mehr. Es geht um die Geschäfte und Rohstoffe. Im Mai gab es in Angola ein Business-Treffen des Büroleiters für afrikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium mit 2000 afrikanischen Wirtschaftsverantwortlichen. Trotz der protokollarischen Schieflage ergriff Angolas Präsident João Lourenço das Wort. Er forderte die USA auf, bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Afrika über den Rohstoffsektor hinauszublicken und verstärkt in andere Bereiche zu investieren, in denen Arbeitsplätze geschaffen sowie lokale Arbeits- und Umweltstandards eingehalten werden. Auch zu anderen Aspekten kam Kritik von afrikanischer Seite – insbesondere hinsichtlich der Visums- und Handelspolitik der US-Regierung. Deutliche Worte fand unter anderem AU-Kommissionschef Youssouf, der infrage stellte, wie ein fairer bilateraler Handel gelingen könne, während mehr als die Hälfte der afrikanischen Staaten von Visabeschränkungen betroffen sei. Die Visaverbote sowie verhängten Zölle seien mit den Regularien der Welthandelsorganisation unvereinbar und inakzeptabel. Gut bekannt sind die Querelen um das G20-Treffen in Südafrika, von dem die USA fernblieben – geschuldet der Missachtung internationaler Gepflogenheiten und Südafrika als Land. Für den diesjährigen G20-Gipfel in den USA wurde die RSA vorsorglich ausgeladen. Wenigstens hat der US-Haushaltsausschuss einer Verlängerung des im September ausgelaufenen African Growth and Opportunity Act bis zum 31. Dezember 2028 gebilligt. Auf Trumps Forderung wurde dieser jedoch auf ein Jahr verkürzt und muss auch noch vom Senat und dem Präsidenten bestätigt werden.
Zum viel gepriesenen Friedensabkommen zwischen der DR Kongo und Ruanda: Es heißt, dass es dank der USA zustande kam. Für das Ende dieses Langzeitkonflikts arbeiteten viele afrikanische Politiker. Auf Druck der USA unterzeichneten Anfang Juli die Außenminister beider Staaten in Washington ein Friedensabkommen. Es war das Papier nicht wert. Der Krieg in Kivu ging weiter. Anfang Dezember nochmals die gleiche Zeremonie, jetzt mit der Unterschrift von Kagame und Tshisekedi. Gastgeber war US-Präsident Donald Trump, der das alles öffentlichkeitswirksam begleitete. Die Krux ist die, dass Kagame meint, dass dieser Krieg Ruanda nichts anginge, sein Land lebe in Frieden mit Kongo. Wie zur Bestätigung verkündete die M23 noch am selben Tag neue Kämpfe. Einige Tage später eroberte diese Rebellengruppe die strategisch wichtige Stadt Uvira an der Grenze zu Burundi.
Worum ging es Trump? Es sollte ein Baustein zu dem von ihm erhofften Friedensnobelpreis sein. Zugleich dient der Vertrag der strategischen Rohstoffsicherung der USA.
Warum gehe ich so ausführlich auf die USA ein? Weil es leider den Zustand unserer Welt widerspiegelt. Die erratische Politik von Trump erstickt Friedensbemühungen in der UNO und anderswo, er hält die Welt mit seinen Zolleinfällen und anderen seltsamen Ideen in Atem. Er lässt Stellungen von Kriminellen oder Islammilizen in Nordnigeria bombardieren, um christlichen Fundamentalisten in den USA zu gefallen. Es gehört eine gute Portion Frechheit dazu, dem südafrikanischen Präsidenten im Weißen Haus Völkermord vorzuwerfen. Präsidentenraub in Venezuela, jetzt noch der Krieg gegen Iran.
Es geht auch anders, siehe China: Zu Beginn des vergangenen Jahres besuchte der chinesische Außenminister Namibia, Kongo-Brazzaville, Tschad und Nigeria, der Präsident Kenias weilte in Peking. In China fand ein Treffen zur Umsetzung des China-Afrika Kooperationsforums statt. Die Einladung erfolgte durch die Präsidenten Xi und Sassou-Nguesso. Unter der Leitung des chinesischen Außenministers berieten die Vertreterinnen und Vertreter von 53 Staaten und der AU über die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit. Welch ein Kontrast zu den USA!
Und die EU? Sie beriet mit Vertretern Afrikas Fragen der Bildung einer afrikanischen Weltraumagentur. Konkreter wurde es bei der Schaffung eines Handelskorridors zwischen Douala und N’Djamena. Dafür stehen 40 Mio. € bereit. Angesichts der uns bekannten Sicherheitslage im Norden Kameruns kommen jedoch Zweifel an der Realisierbarkeit auf. Die EU und ihre ehemaligen Kolonialmächte, vor allem Frankreich, müssen offenbar ihren Bedeutungsverlust vor allem in Westafrika erst einmal verstehen, bevor sie hoffentlich eines Tages neue Wege beschreiten. In diesem Kontext gehört auch die Suche der EU nach ihrer Stellung in der Welt und welche Bedeutung Afrika zukommen wird. Der russische Krieg gegen die Ukraine lastet derzeit auf der EU.
Afrikaner kommen auf der Weltbühne immer weniger zu Wort, die Welt zerfällt in Interessenssphären, Entwicklungspolitik zur Randnotiz. Die Gewichte der Weltpolitik haben sich verschoben, Afrika gehört zu den Leidtragenden. Die Reichen wurden reicher, die Armen ärmer, keine Trendumkehr.
Dennoch blieb das Leben in Afrika bunt und vielgestaltig. In Namibia hat jetzt eine Präsidentin, der dortigen Regierung gehören mehr Frauen als Männer an. In Gabun, Niger, Malawi, Seychellen, Kamerun, Côte d’Ivoire, Guinea und in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) erfolgten Präsidentschaftswahlen. Madagaskar und Guinea-Bissau erlebten gewaltsame Machtwechsel. In Mali und Benin scheiterten Putschversuche. Das oberste Gericht in Simbabwe erklärte auf Forderung von Menschenrechtsaktivisten ein neues Gesetz für ungültig. In Guinea und Benin erfolgten Verfassungsänderungen.
Der Sudan und die DR Kongo leiden weiter unter Bürgerkriegen. Spannungen bestehen zwischen Äthiopien und Somalia sowie Eritrea, aber auch zwischen Algerien und Mali, im Südsudan und in der Sahelzone. Um das Wort „Spannungen“ zu konkretisieren: In unseren Projektdörfern schlafen die Familien im Busch, versteckt außerhalb ihrer Dörfer, um nicht getötet zu werden. In Angola und Kenia kam es zu Massenprotesten. Gegen Wahlbetrug demonstrierten in Tansania tausende Bürger, die Todeszahlen der Ermordeten sind erschreckend hoch.
Was noch? Niger begann eigenständig Uran zu vermarkten, auch wurde Hausa zur Nationalsprache und löste Französisch ab. Noch eine kleine Begebenheit: Trump bezeichnete Lesotho als ein Land, von dem nie jemand gehört hat. Die in Trumps Golfclubs verkauften T-Shirts mit der Aufschrift „Trump Golf“ tragen nicht etwa ein „Made in America“ Etikett; stattdessen ist der Hinweis „Made in Lesotho“ zu finden.
Zu Deutschland: Unser Bundespräsident besuchte 2025 Ägypten, Ghana und Angola. Im März erfolgt das Aussetzen der Unterstützung für Rwanda. Grund: Die von dem Land unterstützte Gruppierung im kongolesischen Bürgerkrieg eroberte Goma und Bukavu. Rwanda beklagte daraufhin die Politisierung der Entwicklungszusammenarbeit, ein interessanter Zungenschlag. Nach dem ersten Washingtoner Abkommen wurde die Zusammenarbeit wieder aufgenommen. Betrugen die Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit 2016 noch 2,3 % des Bundeshaushaltes, sind es dieses Jahr 1,9 %. Die Gewichte der Weltpolitik verschieben sich, Afrika hat das Nachsehen. Von dem schmalen Budget müssen auch die Ukraine und Palästina verstärkt unterstützt werden. Dennoch eine Überraschung. Meinem Gefühl nach bringt die Tagesschau im Internet gegenwärtig mehr Informationen aus Afrika als früher.
Zu den Vereinsangelegenheiten
Entwicklungspolitische Projektarbeit
Unser wichtigstes Projekt bleibt die Bildungshilfe für Mädchen und Frauen in Nordkamerun. Mit den Spendenmitteln der DAFRIG wurden im Schuljahr 2024/25 47 Mädchen gefördert:
10 Mädchen an der Grundschule, 14 Gymnastinnen, 19 Schülerinnen am technischen Gymnasium, 1 Universitätsstudentin und 3 junge Frauen in Berufsausbildungsstätten.
1 Studentin mit Masterabschluss bestand die Aufnahmeprüfung an der ENS (Ecole Normale Supérieure), einer der besten Ausbildungsstätten in Kamerun, die zur Beamtenlaufbahn befähigt.
Unser Ziel ist, dass sich die Mädchen selbst, ein ökonomisch unabhängiges und selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
Das Projekt „Selbstbestimmung durch Bildung“ hat nicht nur eine immense Bedeutung für die einzelnen Lebensläufe der geförderten Mädchen und jungen Frauen, sondern es hat auch Auswirkungen auf das Bewusstsein der Bevölkerung in den drei Dörfern, aus denen die Stipendiatinnen rekrutiert werden, und darüber hinaus im gesamten Mafa-Gebiet. Herrschte vor der Projektzeit noch die allgemeine Meinung vor, Frauen seien „nur“ zur Familien- und Feldarbeit fähig, so ist mittlerweile klar, dass Mädchen und Frauen wie Jungen und Männer aktiv werden können. Wie es unser Projektpartner Daniel Paoulai, Direktor der Schule in M’lay, formuliert: Durch dieses Projekt entwickelt sich eine weibliche Elite in der Region. Damit wird zugleich die Sinnhaftigkeit einer langjährigen Unterstützung augenfällig.
Die Projektverantwortliche, Godula Kosack, wird in der Diskussion nochmals auf das Projekt eingehen. Ihr Engagement ist beeindruckend.
Bildungs- und Informationsarbeit
Dank Ideengebung und Leitung von Arndt Hopfmann wurde 2025 unsere Vertragstätigkeit an der VHS unter der Überschrift »Hilfe! Wir sollen entwickelt werden« fortgeführt. Es ging um Anspruch und Wirklichkeit von Projekten der Entwicklungshilfe. Konkret ging es um Namibia und die Fragestellung Völkermord, Reparationen und Entwicklungspolitik, um BRICS+ und die Alternative zum US-Dollar einschließlich der Neuordnung der Welthandelsbeziehungen, um Oxfam als globale Organisation der Entwicklungshilfe, um Hierarchien im politisch-sozialen Sprachgefüge sowie um die EU und ihr schwieriges Verhältnis zu den ehemaligen Kolonien ihrer Mitgliedsstaaten. Dr. Arndt Hopfmann hat das alles nicht nur organisiert und nutzte seine Beziehung zu einigen Spezialisten, er selbst übernahm zwei Vorträge, die er auf sehr hohem Niveau realisierte. Dafür dankt ihm die DAFRIG. Diese Arbeit wird in diesem Jahr fortgesetzt.
Ein zentraler Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit ist unsere Homepage, geführt und gepflegt von Frank Heller und Arndt Hopfmann. Auf der Webseite haben wir monatlich mehr als 2.000 Besucher. Ich finde, dass dies bemerkenswert ist.
Wir danken besonders unseren engagierten Mitgliedern in Berlin, so Lissy Quart, Siegfried Wittig, Brigitte Schwope und Ginga Eichler. Siegfried war besonders zu Namibia aktiv, hält die Verbindung zu verschiedensten Gruppen, die sich mit dem Thema „Völkermord“ befassen, Lissy hält vor allem die Verbindung zum Afrikahaus und zur Breuer-Stiftung. Auch dank der Mithilfe von Lissy Quart konnte vor dem Afrikahaus in Berlin, eigentlich Kolonialhaus, eine Stele mit Erläuterungen zu diesem Haus eingeweiht werden.
Mit tiefer Trauer müssen wir konstatieren, dass zwei langjährige Mitglieder unserer Berliner Gruppe verstorben sind. Es sind :
Joan Oehme, eine Südafrikanerin, und Siegfried Wittig.
Die DAFRIG griff ein weiteres Thema auf, und zwar den Umgang mit menschlichen Gebeinen aus der deutschen Kolonialzeit und ihre Rückführung. Zehntausende menschliche Gebeine aus Afrika, Ozeanien und anderen Regionen dienten in Deutschland pseudowissenschaftlichen Arbeiten, verstaubten in Museen, wurden, man glaubt es kaum, kommerziell vertrieben oder gerieten in Vergessenheit. Für die betroffenen Gemeinschaften sind sie jedoch Teil ihrer Geschichte, Kultur und Würde. Wir danken Daniel Fabian für sein Engagement. Im Rahmen der interkulturellen Wochen unterstützten wir eine Veranstaltung im Leipziger Missionshaus der Evangelisch-Lutherischen Kirche.
Im vergangenen Jahr wurde das Leipziger Lumumba-Denkmal erneut zu einem Schwerpunkt unserer Tätigkeit. Auf Vorschlag von Daniel soll neben dem Denkmal ein erklärender Text zu Lumumba aufgestellt werden. Die Universität, auf deren Gelände das Denkmal steht, ist einverstanden. Jetzt geht es um die konkreten Arbeiten. Das alles wird deutlich mehr als 1.000 Euro kosten. Sicherlich werden wir einen Aufruf starten, die DAFRIG bei dieser Finanzierung zu unterstützen.
Finanzen
- Der Bestand auf der Bank belief sich am 31.12.2025 auf 12.040,88 Euro.
- Besonders möchte ich der Breuer-Stiftung für die Unterstützung des Mädchen-Projekts danken, ebenso den vielen Spendern!
Mitgliederentwicklung
Wir haben etwa 50 Mitglieder. Zwei sind verstorben, zwei sind ausgetreten.
Neu zu uns gestossen ist Daniel Fabian, der sich auch als Leitungsmitglied aktiv in die Arbeit einbringt.
Kooperation
Die wichtigsten Institutionen, mit denen wir vernetzt sind: das Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen, die Stiftung Nord-Süd-Brücken, das Stadtteilzentrum Messemagistrale, das Bündnis Völkermord verjährt nicht sowie Quetzal e.V., dieser Verein widmet sich vor allem Lateinamerika; wir arbeiten mit dem Verein in der VHS gut zusammen.
Spezielle Vereinsaktivitäten und Probleme
Der Vorstand hat regelmäßig gearbeitet. Es gab zwischen den Mitgliedern eine zuverlässige Kommunikation. Die Sitzungen fanden regelmäßig statt. Dennoch bleibt ein Hauptproblem: Wir brauchen junge Leute! Um es mit aller Deutlichkeit zu sagen: Ein Leitungsmitglied ist über 80 Jahre, einer ist in den siebziger Jahren. Große Hoffnungen sind mit Daniel Fabian verbunden. Doch er ist ein junger Mann und die Erwerbsarbeit, hat Priorität. Auch suchen wir einen jungen, engagierten Menschen, der oder die das Kamerun-Projekt von Godula weiterführen kann. Ich fühle mich noch fit, aber bei der nächsten Wahl sollten Jüngere das Ruder übernehmen.