Nordkamerun, Afrika und der russische Krieg gegen die Ukraine

Aus unserem Projektgebiet in Nordkamerun, wo wir derzeit ein neues Schuljahr unseres Langzeitbildungsprojekts für Mädchen und ein Wasserrückhaltedamm zur Verbesserung des Wasserhaushalts in dieser Region unterstützen, erreichen uns beunruhigende Meldungen: Die COVID-Pandemie ist noch nicht vorüber, doch das Leben wird von einer anderen Seite bedroht. Infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine verdreifachte sich der Preis für Dünger, da dieser aus Russland kommt. „Wir werden dieses Jahr nicht auf die Felder gehen können und die Gefahr einer Hungersnot besteht“, schreibt unser Partner.

In Togo klagen unsere Freunde über den Anstieg der Preise an den Zapfsäulen für Treibstoffe und auf den Märkten für Lebensmittel. Eine Schale mit Mais kostete zu Beginn des Krieges 600, jetzt 900 Franc-CFA.

Am 30. März beschloss die Regierung von Cote d’Ivoire, die Zölle für Weizenkäufe auf dem internationalen Markt abzuschaffen. Seit einem Jahr steigen diese Preise, der Krieg beschleunigte diese Entwicklung. Mittlerweile hat er sich verdoppelt. Her­steller von Weizenmehl sollen eine finanzielle Unterstützung erhalten, um die Ver­sorgung des Marktes zu sichern.

In weiten Teilen Ostafrikas herrscht seit Jahren Dürre. Die Nahrungsmittelhilfen werden schwieriger, die Preise immer weniger bezahlbar.

Aufgrund des russischen Krieges gegen die Ukraine stiegen nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die weltweiten Lebensmittelpreise auf ihr „höchstes Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen“. Im März stieg der FAO-Getreideindex im Vergleich zum Februar um 17,1 Prozent.

Infolge des Konflikts könnte sich, laut FAO, die Hungersnot in der Sahelzone und in Westafrika, einer Region, die stark von russischen und ukrainischen Getreideim­porten abhängig ist, weiter verschlimmern und bis Juni 38,3 Mio. Menschen betreffen.

Auf Initiative des nigrischen Präsidenten Mohammed Bazoum versprachen mehrere westliche Länder zusätzliche Hilfen, um die Not der am stärksten betroffenen Länder zu lindern und Spekulationen zu bekämpfen. Ob sie ausreichend sein werden, darf bezweifelt werden.

Überall in Afrika wächst die Angst vor einer Hungersnot. Das Flüchtlingsproblem könnte eine neue Dimension gewinnen. Die Geschehnisse in Europa beeinflussen andere Weltregionen. Die Globalisierung erhält eine perverse Dimension. Afrika wird wie immer der Verlierer sein.

Unser Partner in Kamerun beendete seinen Brief mit den Worten: „Wir wünschen uns Frieden in Europa. Wir nahmen an, dass es Flüchtlingsprobleme nur mit Afrikanern und Asiaten gibt, aber wenn sogar Europäer zu Flüchtlingen werden, ist es sehr ernst.“

Ja, wir stimmen unserem kamerunischen Partner zu: Die Lage ist sehr ernst. Wir fordern das Ende aller russischen Kampfhandlungen in der Ukraine. Es gibt keine Alternative zu Friedensverhandlungen.

Joachim Oelßner
(für den Vorstand)