Projektreise nach Nordkamerun

Die Projektleiterin Dr. Godula Kosack und Projektkoordinator Dr. Jürgen Kunze hielten sich vom 13. Januar bis zum 17. Februar 2013 im Projektgebiet auf. Zwei befreundete Künstlerinnen begleiteten sie. Später stießen auch zwei Lehrerinnen des Reclam-Gymnasiums Leipzig hinzu.

Neben weiterer Projekterkundung waren die hauptsächlichen Ziele der Reise:

  • die Begutachtung der laufenden Projekte
  • Weiterentwicklung des Projekts „Bildungshilfe für Mädchen und Frauen in Nordkamerun“
  • die Pflege der Partnerschaft zwischen dem Leipziger Reclam-Gymnasium einerseits und der Öffentliche Grundschule Mlay und dem Gymnasium Gouzda andererseits
  • die Beförderung von Briefpartnerschaften zwischen deutschen und kamerunischen Schülern
  • das Monitoring der Abschlussarbeiten am Überlaufdamm (Radier) und die Abnahme des Projekts im Bergdorf Houva
  • die Weiterführung von Kontakten und Kooperationsbeziehungen mit Verantwortungsträgern, Initiativgruppen und weiteren Personen im Projektgebiet
  • konkrete Projektarbeit mit Kindern des Einzugsgebiets (Malen, Zeichnen, weitere kulturelle Aktivitäten)
  • die Übergabe von Solidaritätsgeschenken und finanzieller Unterstützung für Kleinvorhaben
  • die Einführung Leipziger Projektparterinnen in die sozialen, kulturellen und geographischen Gegebenheiten der Region
  • die Fortführung ethnologischer Befragungen

Projektreise nach Nordkamerun

Am 17. Januar fand ein Treffen mit dem Vorstand und mehreren Mitgliedern des Partnerschaftsvereins A.A.F.M.H.L. (Association d’Appui aux Filles de M’lay, Houva, et Ldama) statt. Auch der adminstrative Chef des Dorfes Mlay und Elternvertreter waren anwesend, um dadurch ihre Unterstützung für dieses Projekt kundzutun. Auch war die Mehrzahl der durch die DAFRIG-Leipzig geförderten Mädchen (15 Grundschülerinnen und 5 Gymnasiastinnen) versammelt. Von allen Sprechern wurde die Bedeutung des Projekts hervorgehoben.

Ein Elternvertreter stellte die Frage, warum die Stipendien nur an Mädchen gegeben würden. Der Präsident des Vereins hob die Benachteiligung der Mädchen hervor, die sich in der Schülerstatistik ausdrückt: Von insgesamt 527 Kindern sind 192 Mädchen, also nur 36,4 %.). Ein Vereinsmitglied, eine junge Mutter von 2 Kindern, meldete sich zu Wort: „Wenn es dieses Projekt früher gegeben hätte, hätte es auch mir dienen können. Ich wäre gerne länger zur Schule gegangen und hätte einen Berufsabschluss gemacht. Aber mir fehlten die Mittel dazu. Deshalb musste ich heiraten. Jetzt setze ich mich dafür ein, dass die Mädchen meines Dorfes eine Chance haben. Deshalb bin ich Mitglied im Verein.“

Für alle Mädchen wurden die Schulgebühren, die Schulbücher, Schreibmaterialien und für die Gymnasiastinnen auch die Schuluniform und Petroleumlampen bezahlt. Letzteres ist dafür wichtig, dass sie auch nach Einbruch der Dunkelheit noch Hausaufgaben machen können. Betont wurde, dass die „Projektmädchen“ ein Vorbild für die anderen Kinder sind. In der Regel haben die Kinder keine eigenen Schulbücher. Die ganze Klasse profitiert davon, wenn dort mehrere Bücher verfügbar sind. Andere Kinder sehen den Vorteil eigener Bücher und bitten ihre Väter um eine solche Anschaffung.

Die beiden Künstlerinnen bemalten mit einer Gruppe Mädchen und Jungen mit vor Ort hergestellten Farben die Wände von zwei Klassenzimmern mit Motiven aus dem dörflichen Leben und ihren Vorstellungen über das Leben in Europa. Diese Aktion wurde begeistert aufgegriffen und weitere Wandmalereien wurden geplant. Da die Kinder in den Dorfschulen Nordkameruns weder Kunst- noch Musikunterricht haben und sie auch sonst in keiner Weise künstlerisch gefördert werden, war dies eine erste Gelegenheit, sich kreativ zu betätigen. An mehreren Nachmittagen in der Woche kamen zahlreiche Kinder auf das Grundstück unserer Delegation, um an Malstunden teilzunehmen.

Ein weiteres Projektziel ist es, Schulkinder aus den Bergen Nordkameruns mit deutschen Kindern in unmittelbaren Kontakt miteinander zu bringen. Die beiden Lehrerinnen des Reclam-Gymnasiums überbrachten eine für die SchülerInnen der Schule M’lay bestimmte Wandzeitung der 8. Klasse. Auch hatten sie Antwortbriefe der deutschen Kinder mit, die bereits eine Mafa-Schreibfreundin oder –freund hatten. Die SchülerInnen einer 7. Klasse hatten ebenfalls Briefe geschrieben, für die am Gymnasium in Gouzda BriefpartnerInnen unter den SchülerInnen gesucht wurden, die Deutsch als zweite Fremdsprache gewählt hatten. Die Möglichkeit einer solchen Brieffreundschaft fördert die Bereitschaft der Kinder, deutsch zu lernen. Dieser Briefwechsel besteht nun seit einem Jahr. Die Kinder erklären sich gegenseitig ihre Lebenssituation, ihre Interessen und Probleme – ein wahrer Kulturaustausch. Mit zahlreichen Besuchen an verschiedenen Handlungsorten und vielen Beratungen und Problemgesprächen mit Verantwortungs- und Gewährspersonen wurden die obengenannten Reiseziele umfänglich erreicht.

Die die Leipziger Teilnehmerinnen der Delegation, die das erste Mal mit dem lokalen Projektumfeld Bekanntschaft gemacht haben, waren äußerst positiv beeindruckt und bewiesen hohes Engagement. Es kam zu Begegnungen mit kamerunischen Mitgliedern der DAFRIG Leipzig, Von diesen wurde die Reise wesentlich (logistisch) unterstützt. Der kamerunische Projektleiter des Projekts „Bildungshilfe …“ trat formell als Mitglied in die DAFRIG Leipzig ein.


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